Abendmahl

Wenn Adventisten das Abendmahl feiern

Oft genug fällt es uns schwer, wichtigen Dingen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Für Jesu letzte Stunden, in denen er sich an unserer Stelle hinrichten ließ, gilt das auch. Daher setzte er ein Ritual ein, um dem Vergessen entgegenzuwirken. Nehmen wir gemeinsam Brot und Wein zu uns, so ist das keine gewöhnliche Mahlzeit; vielmehr halten wir uns Christi Opfer vor Augen. Nahrung wird zu einem Bild, einem Symbol. Dass diese Erfahrung - Geruch und Geschmack - eine rein rationale Ebene übersteigt, unterstreicht den geheimnisvollen Charakter, der dem Abendmahl zu eigen ist.

Gleichzeitig geht von unserer Teilnahme an dieser Feier ein Signal aus: Wir gestehen Gott und uns selbst unsere Bedürftigkeit ein; unsere Abhängigkeit von seiner Gnade und seiner Vergebung. Dadurch wird das Abendmahl zu einer Verbrüderung, zu einer Erneuerung unser Beziehung zu Gott. In diesem Sinne erinnern wir uns auch daran, mit welchem Versprechen Christus seine Ausführungen zum Abendmahl begann:

"Wer glaubt, hat das ewige Leben." (Johannes 6,47)

Darüber hinaus eröffnet sich eine weitere Blickrichtung: Das Abendmahl ist immer auch eine Hinwendung zum Mitmenschen. Dem Vorbild Jesu folgend waschen wir einander die Füße. Obwohl wir diese Handlung lediglich andeuten und sie keinem hygienischen Zweck mehr dient, illustriert sie weiterhin eine Grundüberzeugung unserer Religion: In der Gemeinde gibt es keine Hierarchie, keine Rangfolge. Niemand herrscht, niemand dient. Oder besser gesagt: JEDER dient!

Sicherlich würde es die Christenheit bereichern, den Brauch der Fußwaschung neu zu entdecken.

Wird ihnen die eigene Fehlerhaftigkeit bewusst, lassen sich manche Christen entmutigen und bleiben dem Abendmahl fern. Dieser Schritt ist außerordentlich bedauerlich, denn er läuft der großen Chance des Abendmahls zuwider: Versöhnung - mit Gott und mit Menschen. Wer Gottes Prinzipien missachtet hat und unter dem Gewicht seiner Schuld leidet, ist bei dieser besonderen Feier gerade richtig! Wie könnte man besser bekennen, dass man Vergebung nötig hat?

Für gewöhnlich begeht unsere Freikirche das Abendmahl alle 3 Monate. Das tut sie in einer offenen Gesinnung. Konkret bedeutet das: Jeder ist herzlich eingeladen! Wer den Sinn des Abendmahls versteht und sich darauf einlassen möchte, kann und soll das tun; die Taufe oder die Mitgliedschaft in der Adventgemeinde sind keine Voraussetzung. Und was das Alter betrifft: Sicherlich ist jeder Jugendliche in der Lage, den Charakter dieser Feier zu erfassen.

Das Abendmahl findet im Rahmen eines wöchentlichen Gottesdienstes statt. Wir hören einige erklärende Worte und nach Geschlechtern getrennt waschen wir uns gegenseitig die Füße. Dabei nimmt jeder eine gebende wie auch eine empfangende Rolle ein. Anschließend widmen wir uns Brot und Wein. Nach einem Dankgebet und der Lesung einiger Bibelverse gehen der Pastor und die Verantwortungsträger der Ortsgemeinde durch die Reihen und teilen zunächst (ungesäuertes) Brot und dann (alkoholfreien) Wein aus; diesen trinkt jeder aus einem separaten kleinen Kelch.

In Johannes 13,17 macht Christus deutlich: Wer sich der Erfahrung des Abendmahls aussetzt, der ist gesegnet; der darf sich glücklich schätzen. Und nichts anderes wünschen wir denen, die uns besuchen und gemeinsam mit uns feiern.